Auf gesundheits-puzzle.de möchte ich Menschen unterstützen, mehr Gesundheit zu erreichen. Aber was ist Gesundheit eigentlich genau? Reicht es, wenn du keine diagnostizierte Erkrankung hast? Bist du gesund, auch wenn du dich oft müde oder unausgeglichen fühlst? Hier liest du was Experten zu dem Thema sagen. Außerdem erfährst du, wie eine etwas andere Definition dir zu einer motivierenden Sichtweise über Gesundheit verhilft.

Was ist Gesundheit? Eine Frage der Definition!

Viele beantworten die Frage „Wann ist jemand gesund?“ mit „Wenn er nicht krank ist“. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gesundheit in ihrer Satzung sogar als

„ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“ [1].

Es scheint ja auch erstmal plausibel zu sagen: “Wenn es mir auf jeder Ebene gut geht, bin ich nicht krank.” Und es ist definitiv wichtig bei der Betrachtung von Gesundheit neben der körperlichen auch die geistige und soziale Ebene zu sehen. Aber ist Gesundheit wirklich nur vorhanden, wenn keinerlei körperliche Beschwerden vorliegen, ich wach, zufrieden und emotional komplett ausgeglichen bin?

„Gesund sein“ – nach WHO-Definition fast unmöglich

Jede körperliche Beeinträchtigung oder „sich unwohl fühlen“ würde ausreichen, um für krank erklärt zu werden. Nach der Definition „Gesundheit = mir geht es körperlich, geistig und emotional gut“ wäre nur eine kleine Minderheit der Deutschen überhaupt gesund. Und auch die nicht immer. Aber muss man tatsächlich so viele Menschen für krank erklären und ggf. sogar behandeln?

Dieses „krank machen“ finde ich sehr problematisch. Zum einen, da es viele Menschen gibt, die z.B. mit einer chronischen Erkrankung ansonsten sehr gesund leben und sich auch gut fühlen. Zum anderen, da auch „sich mal nicht wohlfühlen“ zum Leben einfach dazu gehört. Ein Einordnen in die Schublade „krank“ ist hier in meinen Augen demotivierend. „Ich bin halt krank“ ist nicht gerade ein Gedanke, der Eigeninitiative und ein Gefühl von „Ich kann aktiv etwas für meine Gesundheit tun“ fördert.

Viele Fachleute diskutieren über alternative, gesundheitsförderlichere Definitionen.

Gesundheit ist kein Zustand, sondern etwas Dynamisches 

Einige Wissenschaftler definieren Gesundheit als die Fähigkeit sich bei sozialen, körperlichen und emotionalen Herausforderungen anpassen und diese meistern zu können (in der Original-Veröffentlichung: „the ability to adapt and self-manage in the face of social, physical, and emotional challenges“ [2]). Richard Friebe schreibt in seinem Buch „Hormesis: Das Prinzip der Widerstandskraft“, Gesundheit sei die Fähigkeit,

stets und stetig mit körper-eigenen Antwort-Prozessen dynamisch auf Störungen von innen und außen reagieren zu können. Sie ist die Fähigkeit, das dynamische Gleichgewicht, das Leben heißt, nach Störungen wiederherzustellen und zu erhalten.“ [3]

Gesundheit ist also nicht ein fester Zustand, der vorhanden ist oder nicht, sondern vielmehr ein dynamischer Prozess. Etwas, das immer wieder neu hergestellt werden muss – und zwar auf körperlicher, mentaler und emotionaler Ebene. Meine aus Diskussionen von anderen Fachleuten und eigenen Überlegungen abgeleitete, kurze Definition ist:

„Gesundheit ist die Fähigkeit nach Belastungen aus eigener Kraft wieder in körperliche, mentale und emotionale Balance kommen zu können“

Wir können gleichzeitig krank und gesund sein

Es ist unsere Gesundheit, die uns bei Erkrankungen und Belastungen hilft wieder auf die Füße zu kommen. Wir können gleichzeitig gesund und krank sein:

  • Zum Beispiel bei einer Erkältung (körperliche Belastung) ist es unsere Gesundheit, die dafür sorgt, dass wir schnell wieder fit sind. Wir haben die körpereigenen Ressourcen, um den Krankheitserreger zügig abwehren zu können.
  • Wenn uns ein emotionales Ereignis aus der Bahn geworfen hat, unterstützt uns eine gute Gesundheit dabei, dies für uns zu verarbeiten. Und dann zeitnah wieder zu uns zurück zu finden, statt im Grübel-Modus festzustecken.
  • Wenn wir nach einem anstrengenden, Reiz-intensiven Tag mental k.o. sind – einfach müde und unkonzentriert – ist es unsere Gesundheit, die uns abschalten, erholen und dann wieder voller Energie weiter machen lässt.

Was ist Gesundheit? Eine andere Sicht kann dich motivieren!

Vielleicht fragst du dich: und was nutzt mir diese Definition? Ich hoffe, dass diese Definition dir hilft, anders über Gesundheit zu denken:

  • Es gehört zum Leben dazu, mal krank zu werden oder sich mal ausgelaugt zu fühlen. Für einige Menschen gehört sogar eine chronische Erkrankung dazu. Du kannst nicht entscheiden, immer und dauerhaft fit, wach und voller Energie zu sein – egal was du tust. Wenn du dich um deine Gesundheit kümmerst, bedeutet das nicht, dass du nie krank wirst, dich stets wohlfühlst  und ansonsten was verkehrt machst.
  • Sich um seine Gesundheit zu kümmern bedeutet aber, die Fähigkeit zu behalten bzw. wieder zu erlangen, Belastungen aus eigener Kraft zu meistern. Und dann zeitnah wieder in Balance zu kommen. Du kannst also massiv beeinflussen wie oft, wie lange und wie stark dich körperliche, mentale und emotionale Belastungen aus der Bahn werfen.

Wäre es nicht großartig dich jeden Tag deines Lebens schneller und besser von Belastungen – die nun mal zum Leben dazu gehören – erholen zu können. Von „großen“ Belastungen wie z.B. einem Unfall, aber auch von den „kleinen“ Belastungen des Alltags: eine Erkältung – nach kurzer Zeit bist du wieder fit. Eine blöde Situation mit dem Chef – du kannst bald danach durchatmen und dich wieder den positiven Dingen zuwenden. Ein anstrengender Tag mit den Kindern – und der Feierabend reicht, um sich wieder komplett in Balance zu fühlen.

Eben diese Fähigkeit ist Gesundheit. Das kann kein Medikament der Welt erreichen. Das kannst du nur erreichen, wenn du dich um deine Gesundheit kümmerst. Um es mit dem Bild des Gesundheits-Puzzles zu sagen: je vollständiger dein Gesundheits-Puzzle ist, desto besser bist du in der Lage nach Belastungen wieder in Balance zu kommen. Diese Aussicht ist es doch wirklich wert, jeden Tag etwas dafür zu tun – sich jeden Tag um seine Gesundheit zu kümmern.

Was du sofort tun kannst, um immer besser wieder in Balance zu kommen

Wenn dich das nächste Mal etwas aus der Balance bringt oder du dich gerade vielleicht sogar dauerhaft nicht gesund fühlst, versuche doch einmal Folgendes:

  • Akzeptiere, dass es völlig normal ist, mal aus der Balance zu sein. Solche Momente und Phasen gehören zum Leben dazu!
  • Frage dich, was dir körperlich, emotional und/ oder mental gerade fehlt, um wieder in Balance zu kommen. (Wenn du z.B. müde bist: brauchst du gerade Schlaf, eine mentale Auszeit ohne Reize oder eher ein spannendes Erlebnis?)
  • Mach etwas von den Dingen, die dir helfen wieder in Balance zu kommen. Falls du gerade wenig Zeit hast: du musst nichts Großes, Zeit-aufwändiges tun. Selbst ein kleines Puzzle-Teil hilft dabei, immer besser darin zu werden, deine Bedürfnisse zu spüren. Und dann auch zu Handeln und immer zügiger wieder in Balance zu kommen.

Und langfristig lohnt es sich natürlich absolut, dich um deine Gesundheit – dein Gesundheits-Puzzle – zu kümmern. Damit du mit jedem Puzzle-Teil seltener, kürzer und weniger stark aus der Balance gerätst. Damit du dich trotz der Herausforderungen des Alltags gesund und voller Energie fühlst. Ich fände es total spannend zu hören, ob dir diese Sichtweise auf Gesundheit hilfreich erscheint und welche Erfahrungen du mit der Übung gemacht hast. Schreibe gerne einen Kommentar unter dem Blog-Artikel.

[1] WHO – World Health Organization (2006). CONSTITUTION OF THE WORLD HEALTH ORGANIZATION 1. Retrieved August 2, 2018, from http://apps.who.int/gb/bd/PDF/bd47/EN/constitution-en.pdf

[2] Huber M, Knottnerus JA, Green L, van der Horst H, Jadad AR, Kromhout D, Leonard B, Lorig K, Loureiro MI, van der Meer JW, Schnabel P, Smith R, van Weel C, Smid H. How should we define health? BMJ. 2011 Jul 26;343:d4163. doi:10.1136/bmj.d4163. PubMed PMID: 21791490.

[3] Friebe, R. (2016). Hormesis: Das Prinzip der Widerstandskraft. Wie Stress und Gift uns stärker machen. München: Carl Hanser Verlag.